Innovationskraft: Deutsche Autohersteller bleiben top

12. Dezember 2019 agvs-upsa.ch – Der VW-Konzern, Daimler (Mercedes und Smart) sowie BMW führen die Rangliste der innovationsstärksten Autokonzerne in der Mehrjahresbetrachtung weiterhin an. Das zeigen die aktuellsten Zahlen des Center of Automotive Management (CAM). Doch die Konkurrenz holt auf.

cst./pd. Die Autohersteller aus Deutschland bleiben auch nach der ganzen Dieselthematik im Wettbewerbsvergleich die innovationsstärksten Unternehmen vor Tesla und Hyundai/Kia. Das zeigt eine aktuelle Studie des Center of Automotive Management (CAM), die die fahrzeugtechnischen Innovationen von 38 Automobilkonzernen analysiert hat. Basis des Vergleichs sind über 2500 Neuerungen, die zwischen 2016 und 2019 (1. Halbjahr) in Serienmodellen hervorgebracht wurden. Dabei wurden alle Neuerungen nach quantitativen und qualitativen Kriterien bewertet, wobei das Technologiefeld «Konventionelle Antriebe» aufgrund der Unregelmässigkeiten im Zuge des Dieselskandals nicht in die Untersuchung einbezogen wurde.

Der VW-Konzern ist danach mit über 460 Neuerungen der innovationsstärkste Autohersteller gefolgt von Daimler (Mercedes/Smart) und BMW. Die derzeitige Absatzstärke und hohe Gewinne dürfte VW demnach auch seiner Innovationskraft zu verdanken haben.

Die deutschen Autohersteller sind führend in vielen Technologiefeldern, insbesondere bei Bedien- und Anzeigekonzepten, Vernetzung und Fahrerassistenzsystemen sowie bei Plug-in Hybriden. Defizite bestehen dagegen im Bereich der reinen Elektromobilität (BEV), wobei insbesondere VW im nächsten Jahr in die Top-Gruppe – unter anderem mit dem ID.3 – aufsteigen kann.

Ranking der innovationsstärksten Autokonzerne
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Dazu Studienleiter Stefan Bratzel: «Der Abgesang auf die deutsche Automobilindustrie ist verfrüht. Die tatsächliche technologische Stärke von VW, Daimler und BMW ist deutlich besser als die gefühlte allgemeine öffentliche Wahrnehmung. Auf die drei deutschen Automobilhersteller entfällt derzeit mehr als ein Drittel der Gesamtinnovationsstärke aller 38 Konzerne. Gleichwohl steht die Branche vor enormen Herausforderungen bei Zukunftstechnologien wie der Elektromobilität, dem autonomen Fahren und den Mobilitätsdienstleistungen und muss sich gegen neue Wettbewerber wie Tesla und den Big-Data-Playern Alphabet, Alibaba oder Uber und Didi Chuxing wappnen. Insbesondere die Kompetenzfelder Software, Daten und Mobilitätsdienstleistungen müssen die deutschen Hersteller künftig noch besser beherrschen, um in der dieser Transformationsperiode nicht zurückzufallen beziehungsweise den Anschluss zu verlieren. Hierbei werden strategische Kooperationen eine immer wichtigere Rolle spielen.»

Im Vergleich zum Zeitraum von 2013 bis 2015 konnten die drei deutschen Hersteller sowie auch Tesla ihre Top-Plätze verteidigen. Allerdings sind die jeweiligen Abstände zu den Wettbewerbern geringer geworden. Knapp hinter Tesla landet jetzt der Hyundai-Kia-Konzern, der sich mit 149 Innovationen von Rang 12 in die Top 5 der innovationsstärksten Hersteller katapultiert hat.

Stark verbessert haben sich auch der chinesische Geely-Konzern (inklusive Volvo) von Rang 11 auf 6 sowie PSA von Rang 16 auf 8. Letzterer nicht zuletzt durch die Übernahme von Opel, aber auch durch die zunehmende Elektrifizierung von Peugeot- und Citroen-Baureihen. Deutlich innovativer geworden sind neben Geely weitere chinesischen Konzerne, die insbesondere im Bereich Elektrifizierung und Interface/Connectivity den deutschen «Platzhirschen» näherkommen. In der Gesamtstärke liegen sie derzeit aber noch deutlich zurück.

Die 15 innovationsstärksten Autokonzerne im Zeitvergleich

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Quelle: CAM

Zu den Verlierern gehören dagegen die amerikanischen Hersteller Ford (von Rang 6 auf 9) und General Motors (von 5 auf 10). Sie können nur ein Viertel bis ein Sechstel der Weltneuheiten der deutschen OEM vorweisen. Ebenfalls unerwartet schwach zeigt sich Toyota, das von einem ohnehin niedrigen Rang 9 nun weiter auf Position 12 abrutschte. Auch hier mangelt es an Weltneuheiten wie überhaupt an einer grösseren Anzahl an Innovationen: Mit 73 Neuerungen liegt Toyota auf einem Niveau mit dem chinesischen SAIC-Konzern, der auf Rang 17 kam. Die japanische Autoindustrie verliert insgesamt an Innovationsstärke. So sind die Toyota-Konkurrenten Honda (von 7 auf 14) und Nissan (von 10 auf Platz 16) derzeit eher im hinteren Mittelfeld zu verorten.
 

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