Auch ÖV schafft Mehrverkehr

25. September 2019 agvs-upsa.ch – Die eidgenössischen Wahlen werfen ihre Schatten voraus. Der traditionelle Mitgliederanlass der AGVS-Sektion Zürich stand ganz im Zeichen der Verkehrspolitik. Christian Müller, Präsident der Zürcher Sektion, durfte rund 50 Mitglieder begrüssen und rief dazu auf, am 20. Oktober die richtigen Namen in die Urne zu legen.
 

 
sco. Dass einer dieser Namen «Christian Müller, FDP» lauten soll, versteht sich für die Zürcher Garagisten fast von selbst. Nach vier Jahren im Kantonsrat strebt der Garagist aus Steinmaur nach Bundesbern. «Wir müssen der Bevölkerung klar machen, dass jeder Strassen braucht», meinte Christian Müller, der sich gemeinsam mit Philipp Alex Gehrig, Vizepräsident der Zürcher Jungfreisinnigen und Gemeinderat von Kloten, den Fragen von Moderator Reinhard Kronenberg, GL-Mitglied der Viva AG für Kommunikation, stellte.
 
Die Autofahrerinnen und Autofahrer müsse man über die Kostenfrage mobilisieren, meinte Christian Müller und erinnerte an eine parlamentarische Initiative aus dem Zürcher Kantonsparlament, welche die Internalisierung der externen Kosten des Strassenverkehrs fordert: «Es gibt verschiedene Initiativen zum Thema Verkehr und Kosten – aber wir kennen nirgends das Preisschild.»
 
Im Mitgliederanlass, der am Dienstagabend im Zürcher Hotel Marriott stattfand, forderten Christian Müller und Philipp Alex Gehrig für die Wahlen im Oktober eindringlich einen bürgerlichen Schulterschluss. «Zu 80 Prozent stimmen unsere Anliegen mit jenen der SVP überein. Wir müssen die Gemeinsamkeiten betonen, nicht die Differenzen», so der Jungfreisinnige. Knifflig wurde es beim Thema «Mobility Pricing», das als eine der politischen Prioritäten im Positionspapier der Zürcher FDP aufgeführt ist. «Es geht nicht um Road Pricing. Wenn wir über ‹Mobility Pricing› sprechen, dann in einem umfassenden Sinne», stellte Christian Müller klar. Jeder Verkehrsträger müsse dann für seine Infrastruktur aufkommen, «und sämtliche Abgaben müssten darin enthalten sein». Gleichzeitig räumte Müller ein, dass einige Fragen noch zu beantworten wären: «Wie steht es um die soziale Verträglichkeit? Wie berücksichtigen wir die Anliegen der Randregionen?»
 
Vor dem Polit-Talk hatte Markus Traber, Chef des kantonalen Amts für Verkehr, über aktuelle Strassenprojekte informiert – vom Ausbau der Zürcher Nordumfahrung, die 2025 inklusive dritter Gubrist-Röhre abgeschlossen sein wird, bis zur Oberland-Autobahn, die sich aufgrund des Moorschutzes zu einer unendlichen Geschichte zu entwickeln droht. Christian Müller erinnerte daran, dass die Gleichung «mehr Strassen = mehr Verkehr» so nicht korrekt sei: «Auch der Ausbau des öffentlichen Verkehrs führt zu mehr motorisiertem Individualverkehr! Der Kanton Zürich entwickelt sich entlang der S-Bahn. Die Leute ziehen aufs Land, wo es einen S-Bahnanschluss hat – aber sie fahren dennoch Auto.» Fazit: Den ÖV ausbauen und den MIV vernachlässigen, führt in die Sackgasse.
 
Bevor die rund 50 Zürcher Garagisten im Hotel Marriott über Verkehrsprojekte, Neuerungen bei der Selbstabnahme und über die Wahlen vom 20. Oktober sprachen, hatten sie die Gelegenheit genutzt, die unweit des Hotels Marriott gelegene Verkehrsleitzentrale Letten der Kantonspolizei Zürich zu besichtigen. Seit 1980 wird der Verkehrsfluss auf allen Zürcher Hauptverkehrsadern aus diesem runden Backsteinbau direkt über dem Milchbucktunnel überwacht und gelenkt. 1383 Kilometer Staatsstrassen durchziehen den Kanton Zürich, dazu 218 km Autobahn, wovon 23 km Tunnels sind. Zu diesen Tunnels präsentierte Meinrad Kuhn, stv. Dienstchef des Verkehrsleitzentrale, einige spannende Zahlen. So passieren täglich 108'600 Fahrzeuge den Gubrist-Tunnel, 82'100 Fahrzeuge fahren durch den Schöneich-Tunnel und 38'900 durch den Milchbuck. «Zum Vergleich: Den Gotthard-Tunnel nutzen täglich 17'400 Fahrzeuge», stellte Meinrad Kuhn klar und zeigte auf, wo die wahren Engpässe im Schweizer Strassennetz liegen.
 
Drei Stockwerke unter dem «Ringli» genannten Bau im Zürcher Kreis Unterstrass rauscht der Verkehr durch den Milchbuck-Tunnel. In zwei Gruppen wurden die AGVS-Mitglieder durch den Zürcher Untergrund geführt: Die gewaltigen Belüftungsturbinen, die im Notfall in Sekundenschnelle anspringen müssen, der reichlich überdimensionierten Rettungsstollen (ein Überbleibsel des einst geplanten, nie gebauten Zürcher Ypsilon beim Hauptbahnhof) und die Einsatzzentrale sorgten für staunende Gesichter – und ganz sicher auch für ein Mehr an Verständnis, wenn es auf einer Autobahn wieder einmal gelb blinkt und «Tempo 80» aufleuchtet. Es wird einen guten Grund dafür geben.
 

 
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